Aus dem Gemeindebrief

„Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt.“ (EG 98)Liebe Mitchristinnen und Mitchristen,ist das nicht seltsam? Jahr für Jahr muten wir uns dasselbe zu. Während draußen die Natur zu neuem Leben erwacht, erinnern wir Christen an das Leiden und Sterben Jesu. Vierzig Tage, sechseinhalb Wochen lang dauert die Passionszeit. Wobei, wenn wir ehrlich sind – so richtig bewusst machen wir uns das Ganze meistens erst in der Karwoche und besonders am Karfreitag.Warum aber erinnern wir uns ausgerechnet im Frühjahr an Jesu gewaltsamen Tod am Kreuz? Ganz einfach: Anders als bei Jesu Geburt wissen wir ziemlich genau, wann er gekreuzigt wurde. Direkt vor dem oder zu Beginn des Pessach-Festes. Also auf jeden Fall zwischen Ende März und Ende April.Ein weiterer Gedanke: Leid und Gewalt machen ja keine Pause, wenn es Frühling wird, wenn es anfängt zu grünen und zu blühen. Wer unter uns gerade Schweres mitmacht, für den oder die steht das im Vordergrund – nicht die Jahreszeit. Ja, wenn es draußen heller und bunter wird, empfinden wir das Dunkel und das Grau, das sich über unsere Seele legt, vielleicht noch stärker.Was hilft uns da die Erinnerung an Jesu Leiden und Sterben? Wir sind nicht allein, er ist bei uns.„Herr Jesus Christus, du warst arm und elend, gefangen und verlassen wie ich. Du kennst alle Not der Menschen, du bleibst bei mir, wenn kein Mensch mir beisteht, du vergisst mich nicht und suchst mich.“ So schreibt Dietrich Bonhoeffer im Gefängnis in seinen „Gebeten für Mitgefangene“.„Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt. Liebe lebt auf, die längst erstorben schien: Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.“ (EG 98)Das Lied erscheint im Gesangbuch unter „Passion“, ist aber genauso ein Osterlied. Es zeigt in tiefgründigen Bildern, warum es gut und heilsam ist, an Jesu Leiden und Sterben zu erinnern. Weil Jesus aus Liebe den Weg ans Kreuz gegangen ist. Weil aus seinem Tod neues Leben, neue Hoffnung, neue Liebe wächst.„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ So deutet Jesus selbst im Johannesevangelium (Joh. 12,24) seinen bevorstehenden Tod. Dieses Hoffnungsbild, das Karfreitag und Ostern, Jesu Tod und Auferstehung gleichermaßen in den Blick nimmt, das passt nun sehr gut in diese Jahreszeit.In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine gesegnete restliche Passionszeit und ein von Hoffnung und Freude, von Leben und Liebe erfülltes Osterfest.Ihr Pfarrer Jörg Dinger„Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“ (Monatsspruch für April 2017 aus Lukas 24)