Aus dem Gemeindebrief

Monatsspruch März:Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren und sollst dich fürchten vor deinem Gott: Ich bin der Herr. 3. Mose 19,32

Liebe Gemeindebriefleser/innen

Wir werden immer älter. Und das täglich. Menschliches altern beginnt mit dem ersten Atemzug. Das ist keine neue Erkenntnis, und doch legt die Statistik bemerkenswerte Fakten vor. Unsere Lebenserwartung steigt stetig an. Während wir heute von 80 und mehr Jahren sprechen, erlebten vor 130 Jahren unsere Vorfahren im Durchschnitt nicht einmal das 36. Lebensjahr. Das eine sind die Zahlen, aber wie ist das Verhältnis zwischen Alt und Jung? Ist noch etwas von dieser Ehrerbietung und dem Respekt zu spüren, wie es im Monatsspruch eingefordert wird? Für mich steht fest: Noch nie erlebten wir einzelne Lebensphasen so different wie in der Gegenwart.         Vermehrt sind junge Menschen von Krankheiten betroffen, die man als Alterskrankheiten bezeichnet, während andrerseits ein 95 Jähriger noch fröhlich Auto fährt und Steuererklärungen für seine Freunde macht. Alt ist nicht gleich alt. Es ist wohl ein sehr einschneidendes Erlebnis, wenn man bei einer Bahn- oder Busfahrt zum ersten Mal einen Sitzplatz von einer jungen Frau angeboten bekommt, sich aber noch gut auf den Beinen halten könnte.„Schön wäre es….“ werden manche Ältere denken, aber die guten alten Zeiten, in denen man alten Menschen mit Würde begegnet ist, sind vorbei.Sind sie wirklich vorbei, oder hat sich nur unsere Wahrnehmung verändert? Es ist unverkennbar: Unsere Enkelkinder haben ein anderes Verhältnis zu uns Großeltern, als ich sie zu meinen Großeltern hatte. Und das ist gut so. Selbst dann, wenn ich letztens etwas irritiert war, als unsere Enkelin nach einem „schaffigen Tag“ auf der Baustelle meines Sohnes sagte: „So Opa du kannst jetzt gehen, ich möchte jetzt meine Ruhe haben…“ So etwas wird dann sehr schnell ausgeglichen wenn sie mir Tage später ein Zettelchen rüber schiebt auf dem zu lesen steht: „Opa ist total toll“. „Vor Greisengrau steht auf, das Antlitz eines Alten verherrliche:Fürchte dich vor deinem Gott. Ich bins“. (Übersetzung nach M. Buber u. F. Rosenzweig) Im dritten Buch Mose ist dieser Vers vor dem der Sabbatheiligung. Damit werden auch die Grenzen der Alterswürdigung markiert. Es geht nicht um eine göttliche Verehrung sondern um eine achtende, respekt- und liebevolle Haltung gegenüber alten Menschen. Dazu gehört unmissverständlich, dass ich die Schwächen des Alters nicht ausnutze oder gar missbrauche. Es ist unwürdig, die nachlassende Sinnes- und Geisteskraft im Blick auf Finanzen, Vollmachten oder den Entscheidungen zu Wohn- Pflege oder medizinischen Fragen zu missbrauchen.Unser Wort verstehe ich als Plädoyer an jung und alt, auch den letzten Lebensabschnitt mit älteren Menschen auszuhalten und sie auf diesem Weg zu begleiten. Sie zu ermutigen und zu stärken, auch fürbittend für sie einzustehen entsprechend der Bitte aus Psalm 71:„Verwirf mich nicht in meinem Alter, verlass mich nicht, wenn ich schwach werde.“Herzlich grüßt Hans-Peter Hilligardt, Diakon„Solange man jung ist, gehören alle Gedanken der Liebe - später gehört alle Liebe den Gedanken.“Albert Einstein